Der Olivaer Platz – Nur noch ein paar Wochen bis zum Ende!

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Ich wurde heute bei einem Telefonat im Spaß gefragt, ob es bei mir „jetzt soweit wäre“, als ich erzählt habe, dass ich gerade auf dem Olivaer Platz stehe und die Bäume mit Plakaten zur Ankündigung ihres Todes „verziere“. Ja, es ist jetzt wohl so weit, denn für das, was dort jetzt gerade passiert, habe ich kein Verständnis mehr.

Vor einigen Jahren wurde die Aufstellung eines Bebauungsplans zur Umgestaltung des Olivaer Platzes beschlossen.

Im Bebauungsplanverfahren, das ja über einige Jahre läuft – wurde nun ein B-Plan-Entwurf vorgelegt, der auf dem Ergebnis eines Architekturwettbewerbs fußt, den ein Büro aus Dresden gewonnen hatte.

Hauptziel des Planes ist die ersatzlose Streichung von 123 Stellplätzen, die sich auf einem Parkplatz im östlichen Bereich des Platzes befinden sowie die komplette Umgestaltung der Grünflächen, die heute aus großen, alten, schatten spendenden Bäumen, Rabatten, Sträuchern und niveauunterschiedlichen Wegen bestehen, hin zu einer mit glatten Wegen durchzogenen Rasenfläche und einigen Bäumen. Geschickt gestaltet ist dabei die Zeichnung des Neuen, auf der die Bäume schon das Alter von 20 Jahren haben müssen, um die angedeutete Größe zu erreichen.

Der Olivaer Platz ist schlecht gepflegt und das auch schon seit vielen Jahren. Das ist aber nichts, was man ihm anlasten könnte, sondern das Resultat gewollter Vernachlässigung, das nun als Argument für die Umgestaltung herhalten muß.

Sein 50. Geburtstag wird wohl zu einer Trauerfeier werden, denn 60 Bäume werden die Umgestaltung nicht überleben, damit die sterile Einfallslosigkeit pflegeleichter Pseudoparks wie auf dem Lehniner oder Stuttgarter Platz auch hier Einzug halten kann.

Das Unverständlichste an dieser ganzen Prozedur ist wohl die Tatsache, dass sich die Grünen, die sich früher an jeden gefährdeten Baum gekettet haben, heute 60 (in Worten SECHZIG) Bäume bereitwillig opfern, nur um in der ihnen eigenen herablassenden, trotzigen und besserwisserischen Arroganz den Parkplatz einzustampfen. 123 Parkplätze werden fehlen, wenn sich täglich einige hundert Kurzzeitparker, in den heute schon starken Parkplatzsuchverkehr um den Olivaer Platz einreihen müssen, sollte der Plan umgesetzt werden. Dass mit den jetzt schon laufenden Straßenbauarbeiten bereits einige Parkplätze wegfallen, bleibt hier unberücksichtigt.

Die Begründung dazu im B-Plan liest sich wie die Versprechungen in einem schlechten Märchen. Die Luftreinhaltung soll sich durch den Wegfall des Parkplatzes, der eine Gtöße von 2.900 qm hat, im Bereich des Olivaer Platzes wesentlich verbessern und die Lärmbelastung sinken.

Hallo??? Wir reden hier von einem Gebiet zwischen der vierspurigen Lietzenburger Straße und der ebenfalls vierspurigen Konstanzer Straße.
60 jahrzehntealte Bäume werden durch junges Gemüse ersetzt und trotzdem soll sich die Feinstaubbelastung verringern?

2,5 Millionen Euro soll der Spaß kosten. 2,5 Millionen. Steuergelder. Und das Geld muß bis 2019 ausgegeben und die Maßnahme muß bis 2016 begonnen sein.

Geld ausgeben um jeden Preis. Es ist ja nicht das eigene. Während Berliner Kinder sich in den Schulen zustandsbedingt nicht mehr aufs Klo trauen, ist das Argument der Stunde, dass das Geld sonst verfallen würde. Verfallen? Ja wird es danach zerschreddert? Oder steht es dann einfach für andere, wichtigere Dinge zur Verfügung?

Nochmal zurück zur wundersamen Wandelung der Grünen: Der Olivaer Platz befindet sich im dicht besiedelten Bereich der City-West.
Dort wohnen Menschen. Familien. Die arbeiten müssen, die ihr Auto auch brauchen. Nicht jeder kann ströbelelike bis ins Alter mit dem Rad fahren. Nicht jeder kann hunderte Meter bis zum nächsten Bahnhof laufen. Familien mit Kindern können sich nicht zu jeder Jahreszeit auf dem Fahrrad organisieren. Mit dem Verlaß auf die unzuverlässigen öffentlichen Verkehrsmittel riskiert man den eigenen Job.
So what? Ist es das Wert? Ist der Sieg über die gehassten Autofahrer wirklich 60 Bäume wert? Das hat nichts mehr mit normalem Verstand zu tun. Hier geht es nur noch ums Prinzip und den Sieg überheblicher Trotzigkeit.

Die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange weist erhebliche, seltsame Lücken auf. Die Hinweise des Landesdenkmalamtes wurden nicht gewürdigt und 3 Behörden vom Umwelt- und Naturschutz haben erst gar keine Stellungnahme abgegeben. Selbst das Ergebnis des Verkehrsgutachtens, das resümierend vor der Streichung der Parkplätze warnt, wurde ignoriert.

Wem nützt hier was?

Mehr als 1.300 Unterschriften der Anwohner und Gewerbetreibenden haben nicht ausgereicht, um die Planer zum Nachdenken über eine verträglichere Lösung zu bewegen. Die letzte Chance ist jetzt ein Einwohnerantrag.

Hier wird mit der Ermüdung der Bürger, die mit ständiger Thematisierung ohne Ergebnis immer eintritt, gespielt.

Und die Hürden sind hoch. Unterstützer müssen in Charlottenburg-Wilmersdorf polizeilich gemeldet sein und neben ihrer Unterschrift auch ihre Anschrift und ihr Geburtsdatum angeben. Das tut heute keiner mehr gern.

Zeit ist nur noch bis zum 17.November.

Danach werden die Motorkettensägen angeworfen.

Petra Pohland

Die Verfasserin ist mit Ihrem Gewerbebetrieb Anliegerin am Oliver Platz, darf den Einwohnerantrag aber nicht unterzeichnen, weil Ihr Wohnanschrift in Tiergarten liegt.
Sie ist Diplom-Ingenieur für Hochbau, arbeitet seit 20 Jahren in der Immobilienbranche und war davor als Amtsleiterin für Stadtplanung einer großen Kreisstadt in Sachsen beschäftigt.

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2 Gedanken zu “Der Olivaer Platz – Nur noch ein paar Wochen bis zum Ende!

  1. Nicht nur mir aus dem Herzen gesprochen, wünsche Petra und allen vernünftig Denkenden, diese Umgestaltung ablehnenden Bürgerinnen und Bürger, allen Anwohnern, viel Erfolg. Pflegen, was vorhanden,, das ist die einzig richtige Entscheidung. Aufruf an alle Anwohner: Unterstützt die Iniative von Petra und allen Beteiligten an ihrer Initiative.
    Dieser Beitrag über den RBB zu senden, ist angemessen!!

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  2. Super recherchierter Artikel! Glückwunsch! Der neue Bebauungsplan zeigt wieder mal wie Dogmatismus jede sinnvolle Lösung boykottiert. Hauptanliegen: Parkplätze weg. Ein bisschen wenig für eine sinnvolle Stadtplanung. Als ob dann alles gut würde. Als Anwohnerin der Wilmersdorfer Straße im Umfeld der Bismarckstraße. erlebe ich täglich, wie genau dasselbe Anliegen einiger unserer Bezirksverordneten – Parkplätze vernichten – in der Wilmersdorfer Straße tagtäglich zu einem Riesenchaos führt. Vor einigen Jahren wurden dort bestehende Parkbuchten willkürlich gesperrt und die parkenden Autos auf die Straße verlagert. Durch Lieferverkehr, ein und ausparkende Fahrzeuge, ist in diesem Bereich jetzt regelmäßig Stau (Achtung Feinstaub!!!!), Fußgänger und Fahrradfahrer sind durch die Unübersichtlichkeit vermehrt gefährdet. Egal ob ich mich dort als Fußgänger, Radfahrer oder Autofahrer bewege, es nervt und ich wünsche mir, dass sich die Verantwortlichen dafür täglich wie ich ich in diesem Bereich bewegen müssten! Anderes Beispiel Tauentzienstraße: Auch dort kann man sehen mit welcher Einfallslosigkeit viel Geld, bürgerfeindlich eingesetzt wird (in dieser langweiligen Anlage kann man sich noch nicht mal hinsetzen).
    Am Oliver Platz lässt sich glücklicherweise eine Fehlinvestition noch verhindern: Stoppt dieses Projekt, Kopf einschalten, Bäume retten, Anlage pflegen, Parkplätze erhalten, Geld sinnvoll einsetzen!

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